Interview mit Eden Weint Im Grab

Beantwortet von Alexander Paul Blake

 

 

Wie und wo bist du aufgewachsen?

„In einem beschaulichen Nest im Norden, dann Scheidung der Eltern, wenig beschauliches Nest in der Provinz im Süden, dort Schule, Abitur, Studium und viel Musik. Das Übliche halt. Aber was hat es mit meiner Musik zu tun, wo ich aufgewachsen bin? Ich kann versichern, dass in noch nie ein Lied über die Dörfer und Städte meiner Jugend geschrieben haben, Eden Weint Im Grab widmet sich vielmehr der geistigen Heimat und die existiert unabhängig von frühkindlicher Prägung in mir, nicht um mich.“

Was habst du vor der Musik gemacht?

„Vermutlich Babybrei gefrühstückt, mir die Windeln wechseln lassen, mich im Kinderwagen durch die Gegend chauffieren lassen und bisweilen auch mit Bauklötzen im elterlichen Wohnzimmer gespielt. Im Ernst, seitdem ich denken kann, spielt Musik die erste Geige in meinem Leben. Sie ist nicht nur irgendein gottverdammtes Hobby, mit dem man im Laufe der Pubertät beginnt, um cool zu sein, und irgendwann wieder aufhört, um sich um Frau, Kind, Häuslebau und seinen Vollzeitjob zu kümmern. Musik ist Leidenschaft, Lebensinhalt, seelischer Ausdruck, der Versuch Kunst zu schaffen sowie mein Segen und Fluch zugleich. So gesehen, ich kann diese Frage nicht ernsthaft beantworten.“

Und warst du schon an anderen Musikprojekten beteiligt?

„Ja, ein Künstler sollte sich nicht beschränken und bei meinen breitgefächerten musikalischen Vorlieben ist einfach mehr als ein Projekt nötig, sonst wäre der Hybrid aus allen Einflüssen ein undefinierbarer Koloss aus derart vielen Stilen, dass ihn sich kaum jemand freiwillig anhören würde. Die Namen der anderen Aktivitäten tun indes nichts zur Sache. Einige Insider sind im Bilde, die meisten Menschen nicht. Aber das ist gut so, denn ich möchte, dass die Hörer Eden Weint Im Grab isoliert betrachten. Musik und Texte sprechen für sich, die Hintergründe lenken nur vom Wesentlichen ab.“

Wie bist du zur Musik gekommen?

„Durch das abwechselnde Malträtieren von selbstgebauten Trommeln, Glockenspielen, kindlichen Stimmbändern, einer alten Akustikgitarre und schließlich einem echten Schlagzeug, anfänglich jedoch alles ohne großes Talent oder handwerkliche Fähigkeiten. Dass andere Leute bei dieser Lärmbelästigung schnell das Weite gesucht haben, scheint aus heutiger Sicht nur verständlich. Es hat mich also unbewusst schon immer zur Musik gezogen, von der frühsten Kindheit an und schließlich entwickelte sich aus der frühkindlichen Experimentierfreude mit Klängen eine innige Passion, die von der ersten Band hin zum eigenen Studio und schließlich auch zu Eden Weint Im Grab führte.“

Wo sehst du dich in der Zukunft?

„Da kann ich nur spekulieren. Fakt ist, dass Eden Weint Im Grab mit dem Debüt „Traumtrophäen Toter Trauertänzer“ viele Hörer gewonnen hat, die mich durch ihre euphorischen Reaktionen in der Sache bestärkt haben und mich motiviert haben, dass das Debüt keine einmalige Sache bleibt. Der Nachfolger „Trauermarsch Nach Neotopia“ ist nun fertig und momentan bereiten wir eine Veröffentlichung im Herbst/Winter 2006 vor. Wie es dann weiter geht, wird die Zeit zeigen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls noch viele künstlerische Visionen, die ich gerne umsetzen möchte und würde mich sehr freuen, wenn die Hörer Eden Weint Im Grab dauerhaft als Instanz akzeptieren.“

Welche Musik hörst du so und habst du Vorbilder?

„Ich denke es tut nichts zur Sache, was ich mir in meiner Freizeit an Musik anhöre, denn das beeinflusst Eden Weint Im Grab nicht zwingend. Eden Weint Im Gab ist nur ein Teil meiner musikalischen Persönlichkeit, das heißt, dass ganz bewusst nur bestimmte Ideen dafür verwendet werden. Ich beschneide mich nicht, aber ich sortiere vieles aus, was nicht zu meiner Vision dieses Projektes passt. Grundsätzlich denke ich, dass es wichtig ist, sich nicht selbst zu limitieren, was den eigenen Musikgeschmack angeht. Denn es gibt nichts Langweiligeres als Death-Metal-Fans, die nur diese Musik hören und machen, daraus entsteht nichts Neues. Dies lässt sich analog auf alle anderen Strömungen übertragen. Dementsprechend habe ich auch keine Vorbilder (mehr), denen ich bedingungslos nacheifere. Jeder Mensch, der seinen eigenen Weg geht, sollte sich eines Tages davon emanzipieren und sich das Beste aus verschiedenen Stilistiken/Bands/Personen herausnehmen, um daraus etwas Eigenes zu erschaffen.“

Gibt es eine Vorgeschichte zu Eden weint im Grab ?

„Natürlich. Eden Weint Im Grab erwuchs aus einem Projekt namens Dark Pride Retaliation, das seinerzeit mein erster (bescheidener) Versuch war, mich auf dem Schlachtfeld harter, dunkler Musik auszutoben. Es gab ein erstes Demo namens „A Celebration In Black“, das jedoch nie veröffentlicht wurde. Aus heutiger Sicht sollte man froh darüber sein. Nach einigen Jahren Winterschlaf erhob sich schließlich Eden Weint Im Grab aus der ruhenden Bestie. Die Texte wurden fortan auf deutsch gedichtet und musikalisch versuchte ich mich bewusst von gängigen Konventionen zu lösen. Das Ergebnis war „Traumtrophäen Toter Trauertänzer“, das nach wie vor auf www.edenweintimgrab.de frei zum Download erhältlich ist.“

Machst du außer Musik noch was anderes?

„Bisweilen muss man das, denn wer seine Alben for free ins Internet stellt, kann davon nicht leben. Ich für meinen Teil würde am liebsten nur Musik machen, sie hören, über sie schreiben, sie promoten und über sie philosophieren. Dummerweise macht einem diese Gesellschaft und die Musikindustrie das nicht gerade einfach. Aber ich bin auf einem guten Weg, denke ich, denn wenngleich die eigene Musik nichts einspielt, hoffe ich mich bald gänzlich mit einigen der anderen genannten Tätigkeiten rund um die Musik über Wasser halten zu können.“

Und zum Abschluss noch eine Frage: Können wir in der Zukunft noch mehr interessante Stücke erwarten und ist schon was in Planung ?

„Ich denke ich habe die Frage oben schon beantwortet. Wenn alles gut geht, ist gegen Ende des Jahres mit einem zweiten Eden Weint Im Grab Album zu rechnen. Wie und wo es veröffentlicht wird, kann ich noch nicht sagen. Aber ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen der Hörer. www.edenweintimgrab.de dokumentiert auch die weitere Entwicklung des Projekts. Ansonsten vielen Dank für das Interview und die Möglichkeit meine bescheidene Meinung äußern zu dürfen.“